Für viele Menschen ist der Börsenhandel immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, auch wenn in den Medien täglich eindrucksvoll über Kursschwankungen, DAX, Investmentanteile usw. berichtet wird und schon einige Bürger als Kleinanleger erfolgreich an der Börse tätig sind.
Die Patrizierfamilie „van der Beurse“ (lat. bursa, Geldbörse) eröffnete 1409 die erste Börse in Brügge, die Bezeichnung „Börse“ geht auf den Namen diese Familie zurück, die vor ihrem Haus „Markt“ trieben. Auf den Märkten in Brügge und Antwerpen zahlte man mit Gold und Silber und erhielt hier die Wechsel, die nicht nur in den Niederlande gültig waren. 1460 eröffnete die Börse in Antwerpen ihre Pforten, 1540 folgte die Börse in Lyon sowie die Eröffnung der Börse in Augsburg und Nürnberg durch die Familie Fugger. Weitere Börsenöffnungen folgten in Deutschland, Europa und in der Welt. Die Börse in Frankfurt am Main wurde 1585 gegründet, sie ist heute der größte nationale Börsenstandort (Wertpapier) Deutschlands und neben New York, Tokio, London einer der wichtigsten internationalen Standorte, der alle Handelsarten und -plattformen (Parkett- und Computer) durchführt. An den Standorten (Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf, München, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Hannover) in Deutschland gibt es heute acht Wertpapierbörsen, eine Devisen-, eine Wertpapiertermin- und eine Warenterminbörse.
Die Börse, die anfänglich den Kaufleuten als Handelsplatz diente, um ihre Waren und Rohstoffe zu tauschen, ist heute ein Marktplatz bzw. die Organisationsform, für den Handel von Aktien, Anleihen, Investmentfonds (Wertpapiere), der Rohstoffe, Dienstleistungen und von Devisen, hier werden Angebot und Nachfrage zusammengeführt und somit der Preis (Kurs) am Markt bestimmt. Als Börsenbarometer dokumentiert der Deutsche Aktienindex (DAX), der ständig neu berechnet wird, die Kurse der dreißig wichtigsten deutschen Aktien.
Die Börse hat die Aufgabe für alle Handelsarten eine Plattform bereitzustellen, die kosteneffizient und transparent für die Anleger arbeitet, um die Austauschbarkeit der Waren, Rohstoffe, Devisen mit ihren verbrieften Rechten zu garantieren. Der Börse obliegt es, mit seinen Kontrollinstrumentarien, wie dem Börsenrat und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), den Handel zu überwachen. Die Börsengeschäfte, die an festen Standorten und zu festen Zeiten durch geführt werden nennt man Parketthandel oder auch Präsenzbörse, der Computermarkt, der Xetra-Handel, erfolgt von jedem Standort aus, rund um die Uhr.
Es gibt die Börse für den Handel ausländischer Währungen (Devisenbörse), die Börse für den Handel von Wertpapieren (Wertpapierbörse – bzw. Effektenbörse), wo festverzinsliche Wertpapiere, Aktien (Unternehmensanteilscheine), Anleihen, Pfandbriefe, Genussscheine, Investmentanteile und Optionen Gegenstand des Geschäftes sind. Die Waren- und Produktbörse handelt mit Waren, Rohstoffen (Metalle und Edelmetalle, Öl) landwirtschaftlichen Produkten (Kaffee, Getreide, Reis, Baumwolle, Fleisch, Tee, Gewürze) und Strom. Die Terminbörse, die auch Derivate- oder Optionsbörse genannt wird, handelt mit Termingeschäften, deren Verträge heute geschlossen und die Transaktionen erst in der Zukunft stattfinden bzw. abgewickelt werden. Die wichtigste Aufgabe der Börse ist es, als Vermittlungsstelle zu fungieren, die Geldgeber und Geldnehmer in Kontakt (direkt oder indirekt) zu bringen und den Handel abzuschließen.
Bis vor etwa zehn Jahren handelten an der Börse nur die professionellen Börsenmakler, heute platzieren auch noch Privatanleger ihre Order an der Börse. Heute sind die institutionellen und privaten Händler gleichgestellt. Die Funktionsweise an der Börse ist, dass die Makler den Kurs entsprechend des Angebotes und der Nachfrage errechnen und die zu handelnden Gegenstände (Wertpapiere, Waren, Produkte, Rohstoffe, Devisen, Derivate, Dienstleistungen, elektrischer Strom, Emissionen) anbieten.
Kauft man Aktien von Unternehmen bzw. Firmengründern, spricht man vom Primärmarkt. Kaufen sich die Anleger gegenseitig die Aktien ab, spricht man vom Sekundär-, vom Zirkulationsmarkt. Je mehr Kaufinteressenten beispielsweise für eine Aktie bestehen, umso höher klettert der Kurs. Täglich werden auf der Drehscheibe des Kapitals, wie die Börse auch zu verstehen ist, mehrere Milliardenbeträge gesammelt und mehrere 100 Millionen US-Dollar als Handelsvolumen umgesetzt.
Durch die Gleichstellung der institutionellen und privaten Händler kann jeder Privatanleger über die Banken und Sparkassen Aktien und festverzinsliche Wertpapiere erwerben. Mit dem Kauf von Aktien werden dann die Privatanleger zu Aktionären und sind somit Anteilsinhaber am Grundkapital der Aktiengesellschaft, was ihnen das Mitspracherecht in der Aktionärsversammlung und den anteiligen Betrag der Gewinnausschüttung (Dividende) garantiert. Für Privatanleger lohnt es sich Investmentfonds zu kaufen, da hier das Verlustrisiko, gegenüber Aktien, geringer ausfällt. Dennoch können auch mit dem Fallen der Kurse von Aktien die Kurse der Investmentfonds fallen, bei Gewinnen und guter Auswahl der Anlagen können gute Renditen erwirtschaftet werden. Durch den Computerhandel wird das Börsengeschäft belebt, denn die Privatanleger können hier schnell und effizient das Geschäft abwickeln.
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